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68 ff.

  25.11.2018 11:30, von , Kategorien: Hintergrund, Das Leben, das Universum … und der ganze Rest!

T2Michael Nückel • September 2018

Die Umweltaktivisten Sabine, Oliver und Thorsten, klettern am 22. Mai 1986 auf das Dach der Evangelischen Stadtkirche. Sie sind ausgestattet mit Seilen, Schlafsäcken und Verpflegung für 24 Stunden und einem großen weißen Transparent, das sie vom Giebel der Stadtkirche herunterlassen. Auf diesem Transparent fordern sie den sofortigen Atomausstieg.

 Nur knapp vier Wochen davor, am 26. April 1986, ist das Kernkkraftwerk von Tschernobyl in die Luft geflogen.

Nur knapp vier Wochen davor, am 26. April 1986, ist das Kernkkraftwerk von Tschernobyl in die Luft geflogen. Die radioaktiv verseuchten Wolken ziehen auch über den Südwesten. Die Aktion auf dem Dach der Stadtkirche könnte also aktueller kaum sein. Karlsruher bleiben deshalb auf dem Marktplatz stehen, diskutieren und schauen hoch auf den Giebel der Stadtkirche unter dem strah­lendblauen Maihimmel. Sie können die radioaktive Bedrohung zwar nicht sehen, riechen und hören. Aber da oben sitzen, hängen und liegen immerhin Drei, die mutig eine Konsequenz fordern: Atomausstieg.[2]

 Zu dem Befremdlichen jener Tage gehörte aber auch dies: Wenn die Karlsruher in „ihre“ BNN schauen, finden sie über die spektakuläre Aktion auf der Stadtkirche gerade mal einen nachrichtli­chen Einspalter.[3] Meine Kollegen und ich wollen raus auf den Marktplatz: Leute interviewen, eine Reportage oder ein Feature schreiben – eben so, wie wir es gelernt hatten, wie es gängige journalis­tische Praxis ist. Aber nein: „Wir werden denen da oben nicht noch die Bühne für ihr Theater bau­en!“, sagt mein Chef, der sich wiederum auf seinen Chef beruft. Und so melden die BNN am 24. Mai ebenso einspaltig wie einsilbig Vollzug: Besetzung beendet, Personalien der Besetzer von der Polizei aufgenommen, Anzeige wegen Hausfriedensbruch angekündigt – der Vorhang zu – und kei­ne Frage offen.

 Und die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl, die gerade einmal ein Monat alt war? Ja, doch, die gab es schon auch in den BNN. Aber eben nicht in der Stadtausgabe, sondern nur im „Südweste­cho“, also im Regionalteil, und natürlich im Politikteil. So kam es zu der geradezu absurden Situati­on, dass der Umweltdezernent der Stadt, Ullrich Eidenmüller, fast wöchentlich Messergebnisse von Bodenproben aus den Karlsruher Stadtteilen veröffentlichen ließ, die BNN diese jedoch regelmäßig in den Papierkorb stampften. Denn: In der Stadtausgabe, wo diese eigentlich hingehört hätten, wur­den sie nicht veröffentlicht, und für das „Südwestecho“ wiederum, das maximal zwei Seiten um­fasste, waren die Messergebnisse viel zu ausführlich, um veröffentlich zu werden. Und im Politik­teil, da sprach Edwin Kraus die Welt des Atoms heilig.[4]

 Die Leser protestierten, aber wie. Meine Kollegen und ich in der Stadtredaktion hatten unzählige besorgte Eltern am Telefon, die wissen wollten, auf welche Spielplätze sie ihre Kinder überhaupt noch lassen könnten. Und bei den Leserbriefen wiederholte sich das Spielchen von oben: Die wur­den nur abgedruckt, wenn sie sich auf einen Beitrag im Lokalteil bezogen. Da der Lokalteil jedoch „atomfrei“ blieb, und im Südwestecho und in der Politik grundsätzlich keine Leserbriefe abgedruckt wurden, gelangte überhaupt keine kritische Lesermeinung ins Blatt.

 War's das? Nein, da gab's doch noch – ja, genau: den „Gegendruck“! Die Juniausgabe der links-al­ternativen Monatszeitung, die von 1982 bis 1991 erschien, berichtete ausführlich und mit einem Foto über die Aktion auf der Stadtkirche. Nicht nur das. Der „Gegendruck“ veröffentlicht auch die Messergebnisse aus dem Stadtgebiet, die die BNN ihren Lesern vorenthielten. Da der „Gegen­druck“ aber gerade einmal eine Auflage von plus/minus 1.000 Exemplaren hatte, blieb seine Wir­kung relativ begrenzt. Wie begrenzt, das mag auch der Umstand belegen, dass es die Aktion auf der Stadtkirche nicht einmal in die offizielle Chronik der Stadt Karlsruhe schaffte. Alles halbwegs Wichtige haben die Stadthistoriker darin später aufgeführt. Warum also nicht auch die Drei auf der Stadtkirche? Ganz einfach: Weil sie den „Gegendruck“ nicht durchgeblättert haben, sondern nur die BNN, die das Ereignis vorsätzlich klein gefahren hat.[5]

 Man kann auch sagen: Die BNN sind damals ihrer journalistischen Informationspflicht nur unzu­reichend nachgekommen. Was diese auch zur Folge hatte, lässt sich am Beispiel der Fotographie zeigen. Das Ereignis auf der Stadtkirche wurde von der Amateurin Maria Fielitz von der Fotowerk­statt fotografiert. Zum Glück. Denn: Von Horst Schlesiger, der nach 1945 die Geschichte der Stadt wie kein zweiter dokumentierte und dessen Arbeit dafür mit Recht immer wieder ausgestellt und ge­lobt wird, von Horst Schlesiger sucht man vergeblich ein Foto dazu. Warum? Weil er von der Stadtredaktion der BNN, für die er exklusiv arbeitete, keinen Auftrag dafür bekommen hatte. Mit anderen Worten: Die Zeitung verweigerte dem „missliebigen“ Ereigniss auf dem Dach der Stadtkir­che nicht nur das angemessene Wort, sondern auch das Bild.

 War das nur die Ausnahme oder etwa die Regel? Sah so am Ende der Umgang der BNN mit 68 und den Folgenden aus?

 Es begann mit dem Protestmarsch von rund 2000 Schülern und Studenten gegen die BNN am 25. November 1968. Dieser Protestmarsch war nach den Demonstrationen gegen die Notstandgesetze, den Vietnamkrieg und die Hochschulreform die zweitgrößte in Karlsruhe.[6] „Baur wohin springerst du?“, fragten die Demonstranten auf einem Transparent und verglichen die BNN mit der Bildzei­tung, die schon in Berlin und Stuttgart für das Attentat auf Rudi Dutschke im April des Jahres ver­antwortlich gemacht und angegriffen wurde.[7] Roland Lang schildert in seinem Roman „Der Hai in der Suppe“, wie ein alter VW Käfer voll mit jungen Karlsruhern nach Stuttgart fährt, die sich an den Anti-Springer-Protesten beteiligen. Der Protestzug gegen die BNN sieben Monate danach kommt in dem Buch nicht vor. Kam er zu spät, war er zu unbedeutend?[8]

 Alles andere als das. „Aufstand der Unmündigen“, hieß der Leitartikel, der nicht nur die Karlsruher Jugendlichen empörte. Er stammte aus der Feder eines gewissen „W K“.[9] Als die BNN dann eine Woche später mit: „Nochmals: Aufstand der Unmündigen“ von Otto Haendle, dem damaligen Chef vom Dienst, noch einmal nachlegten, kam es zu massiven Protesten.

 Und das blieb nicht ohne Folgen. Denn bis zu diesem Zeitpunkt - den man deshalb auch als einen Wendepunkt bezeichnen könnte - finden sich immer wieder ausführliche Berichte von jugendlichen und studentischen Aktivitäten in der Stadtausgabe. Und auch jetzt, wo der Konflikt zwischen Zei­tung und Lesern erstmals öffentlich eskalierte, verhielten sich die BNN durchaus respektakel. Zwar gab es die beiden „Hetz“-Kommentare. Aber die Berichterstattung im Lokalteil über die Proteste dagegen blieb ausgewogen. Auch die Kritiker kamen darin zu Wort - auf einem von drei Fotos ist gar zu sehen, wie die Zeitung BNN in Flammen aufgeht.[10] Vor allem aber gab es zwei Seiten Leser­briefe, die dazu veröffentlicht wurden – und ja, sie zeugen in der Tat von Respekt vor den Anders­denkenden. Das „Who is who“ der Karsruher Bildungsbürger und -Einrichtugen meldete sich zu Wort und griff die Zeitung an.

 Aus heutiger Sicht muss man sagen: Dumm gelaufen – für die BNN. Denn der Schuss ging im wahrsten Sinne nach hinten los. Nach den Haudrauf-Kommentaren wurde die Zeitung des überbor­denden Protestes nur wieder Herr, indem sie auch ihre Kritiker zu Wort kommen ließ – nämlich als Leserbriefschreiber. Zwar erhielt der „Aufstand der Unmündigen“ von „W K“ auch Zuspruch. Aber, wie gesagt: Die Karlsruher Bildungselite führte ein scharfe Klinge dagegen und ließ das Meinungs­monopol mehr als alt aussehen. Und genau das sollte wohl so schnell nicht wieder vorkommen.

 Wollte man die Entwicklung der BNN in diesen Jahren an Personen festmachen, ergäbe sich in etwa folgendes Bild: Josef Werner, Leiter der Stadtredaktion bis 1984 und anerkannter Autor der Karlsruher Stadtgeschichte, war ein stets dialogbereiter Liberaler. Sein journalistischer Umgang mit der aufmüpfigen Jugend und den neuen Bewegungen wurde jedoch nach dem oben skizzierten Wendepunkt zunehmend durch die Chefredaktion zurückgedrängt und eingeschränkt. Die Linie des Hauses bestimmte immer deutlicher der rechtskonservative Edwin Kraus, der im Jahr 1968 von der Badischen Volkszeitung („Schwarze Katl“) als Leiter der politischen Redaktion zur BNN kam und ab 1988 deren Chefredakteur war. Der „Aufstand der Unmündigen“ soll zwar nicht aus seiner Feder stammen. Es dürfte jedoch kein Zufall gewesen sein, dass der Beitrag just unter seiner gerade ein­setzenden Ägide ins Blatt gehoben wurde.

 Ein kleines, aber feines Nachspiel war dem bösen Kommentar allerdings doch noch beschieden. Keine geringere als die berühmt-berüchtigte Satirezeitschrift „Pardon“ verlieh dem Autor „WK“ am 1. Januar 1969 die Kommentatoren-Medaille des Monats.[11] Der Goldene Papierkorb gewisserma­ßen – wenn das mal keine Auszeichnung war!

 Rechte Linie von oben – und immer öfter nach der Methode: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Weitere Beispiele: Die Grünen errangen 1980 erstmals zwei Sitze im Karlsruher Gemeinderat. Bis es soweit war, wurde über sie und ihren Wahlkampf nicht berichtet. Warum? Weil sie ja noch nicht im Gemeinderat saßen. Als sie es schließlich taten, wurde über sie 15 Mal weniger als über SPD oder CDU berichtet. Warum? Weil sie ja nur zwei Sitze hatten. Das hatte irgendetwas von ganz hoher Mathematik, aber war alles andere als professioneller Journalismus. Wollte die DKP-nahe Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes eine Veranstaltung bloß ankündigen lassen, wurde ihr ebendies mit Verweis auf den jüngsten Verfassungsschutzbericht verwehrt – nur, weil diese darin Erwähnung fand. Kaum zu überbieten jedoch war die Taktik der BNN zur Ausblendung des Kern­forschungszentrums in Karlsruhe (heute als Campus Nord im KIT (Universität Karlsruhe) aufgegangen) und der Bewegung dagegen. Zuerst entzogen die Chefs das Thema der Stadtredaktion, weil das Kernforschungszentrum nicht auf städtischer Gemar­kung lag. Und dann war dafür nur noch Südwestecho-Chef Horst Koppelstädter zuständig. Er war berühmt dafür, die Pressemitteilung des Kernforschungszentrum eins zu eins und unhinterfragt zu übernehmen – und dafür bekam er später, völlig verdient, den Preis des Verbandes der Deutschen Atomindustrie für „faire und ausgewogene“ Berichterstattung. Dass in Leopoldshafen bis 1991 ein Schneller Brüter bruzzelte und jede Menge radioaktiven Müll produzierte, das war bei Horst Kop­pelstädter nie zu lesen. Der Grüne Harry Block brauchte gut ein Jahrzehnt, um zu erreichen, dass die Bezeichnung „Schneller Brüter“ in einem kontingentierten Wahlkampfartikel im Lokalteil der BNN erschien.

 Doch da hatte sich die Umwelt-, die Öko, die Frauen- und die soziokulturelle Bewegung längst schon eigene Sprachrohre geschaffen. Das konservative Meinungsmonopol der BNN war ihr natür­lich ein Dorn im Auge. Aber eigentlich interessierte sie es gar nicht. Wer laß schon das „Bläddle“, wie es damals despektierlich hieß. Und vermutlich mussten seinerzeit erst aufrechte Sozialdemokra­ten und gestandene Gewerkschafter die gescholtenen „Unmündigen“ auf den reißerischen Kom­mentar in den BNN aufmerksam machen, damit es überhaupt zu der Demonstration kam. Nein, die Gegenöffentlichkeit, die man schaffen und erreichen wollte, sie wurde mit Megafonen, Transparen­ten und Flugblättern hergestellt. So leidenschaftlich die BNN die rebellierende Jugend unter Gene­ralverdacht stellte („Aufstand der Unmündigen“), so engagiert wurde das Monopolblatt von der Bewegung ignoriert. Auf die Idee, eine Veranstaltung im Kalender der BNN ankündigen lassen zu wollen, ist wohl in den 70er Jahren niemand gekommen. Und wenn tatsächlich ein Journalist von den BNN mit Block und Bleistift aufgetaucht wäre, hätte man ihn für einen Polizeispitzel gehalten oder sich als Veranstalter fragen müssen, was man eigentlich falsch gemacht hat.

 Es waren vor allem „Eigengewächse“, die sich dem BNN-Monopol entgegenstellten.

 Der Dampedei (mit p, obgleich er sich von dem Hefegebäck „Dambedei“ ableitet) war das erste wilde Pflänzchen in der Fächerstadt nach 1968. Es blühte von 1975 bis – immerhin 1987. Die „Akti­onsgruppe Soziale Freiheit“ gab das rund 20 Seiten starke Monatmagazin heraus, 1980 lag die ver­kaufte Auflage bei 1600 Stück. Der Dampedei „wollte über alle kulturellen Veranstaltungen infor­mieren, aber auch über Veranstaltungen, die von der Monopolpresse nicht wahrgenommen wurden. Gruppen und Initiativen konnten sich darstellen, ebenso Schriftsteller und junge Künstler. Die Be­richte waren politisch unabhängig, allerdings eher links orientiert“, heißt es im Stadtwiki.

 Berühmtheit erlangte auch das jährliche Dampedeifest, das ab dem dritten Mal im Schauburg-Kino stattfand. Deren Besitzer, Georg Fricker, gab wenig später das KiK, Kultur in Karlsruhe, und damit eines der ersten Stadtmagazine in der Bundesrepublik überhaupt heraus. Es erschien erstmals 1980, zunächst wöchentlich, später vierzehntägig und wurde im Zeitschriftenhandel verkauft. Auch das KiK enthielt einen Veranstaltungskalender, „aber vor allem auch einen sehr umfangreich illustrier­ten redaktionellen Teil, in dem über aktuelle kulturelle und politische Ereignisse aus Karlsruhe und der Region berichtet wurde“, so Stadtwiki. 1986 stellte das KiK sein Erscheinen ein.

 Der „Gegendruck“ verstand sich im Unterschied zu Dapedei und KiK als politisch linke Zeitung. Er erschien monatlich von 1982 bis 1991. Seine Gründer und Mitarbeiter stammten einerseits aus den sich auflösenden K-Gruppen, die sich inzwischen an den Grünen orientierten, die sich wieder­um ein Jahr zuvor in Karlsruhe konstituiert hatten. Andererseits versammelten sich auch die Vertre­ter der Öko-, Friedens- und Frauenbewegung hinter dem Projekt. Die Zeitung war traditionell in Ressorts aufgeteilt, in denen die Mitarbeiter ihre Seiten planten, die dann in einer wöchentlichen Konferenz besprochen wurden. Insofern war der „Gegendruck“ mehr als eine reine „Flugblatt­sammlung“ der linksalternativen Szene – wie ihm manchmal unterstellt wurde. Er war aber auch immer weniger als die Tageszeitung (taz) , mit der er sich gerne verglichen sah. Der Gegendruck war ein typisches Alternativ-Projekt der 80er Jahre, das auf Ehrenamtlichkeit (sprich: Selbstausbeu­tung), Idealismus und Spenden angewiesen war.[12]

 Ein ganz anderes Ding sollte dagegen die „Karlsruher Rundschau“ werden. Ursprünglich saßen des­sen Gründer Anfang der 80er Jahre mit den Gegendruckern an einem Tisch, um mit einer neuen Zeitung für Karlsruhe dem rechten BNN-Monopol Paroli zu bieten. Dafür war aber weit mehr Geld und Profession erforderlich, als die Gegendrucker aufbringen wollten. Schließlich hatten letztere auch Probleme mit der politischen Ausrichtung, die nach Überzeugung der Rundschau-Macher zwar links, aber bis weit zur linken FDP reichen sollte. In der Folge gingen „Gegendruck“ und Karlruher Rundschau eigene Wege.

 Bereits 1949 gab es eine Zeitung mit Namen „Karlsruher Rundschau“. Gründer der „neuen“ Rundschau war Josef-Otto Freudenreich, er und der Redakteur Jörg Brillen waren frühere BNN-Re­dakteure. Die erste Nullnummer erschien am 14. Mai 1983. In einer Auftaktveranstaltung erkannte der ehemalige Bundesverfassungsrichter Martin Hirsch im Erscheinen der Karlsruher Rundschau „wieder ein Stückchen mehr an freiheitlichem Boden“ und fragte: „Wer kontrolliert den Kontrol­leur, wenn eine Monopolzeitung wie in Karlsruhe mangels Konkurrenz glauben kann, den alleini­gen Anspruch auf Wahrheit zu haben.“ Doch obgleich der Zuspruch für das Projekt groß war – bei einer Auftaktveranstaltung kamen über 3000 Menschen –, kam die Rundschau, die ab Oktober 1983 wöchentlich erschien, über 5000 verkaufte Exemplare nicht hinaus und musste am 2. Juni 1984 ihr Erscheinen einstellen. 6000 Exemplare, am besten Abos, wären notwendig gewesen, um die Finanzierung des Projekts zu sichern.

 Zu guter Letzt: die „Klappe auf“ – auch sie ein Produkt der soziokulurellen Bewegung der 80er Jah­re, die sich mit dem Tollhaus, Jubez, Substage und Tempel neue Veranstaltungsorte geschaffen hat­te, und für deren Kunst- und Kulturangebot die BNN noch keinen Raum bot. Die „Klappe“ trat in gewisser Weise in die Fußstapfen des Dampedei und des KiK. Beide Magazine existierten nicht mehr, als die „Klappe“ 1987 erstmals als Heft mit redaktionellen Teil und nicht mehr als Faltblatt erschien.[13]

 Für die Drei auf dem Dach der Stadtkirche, für Sabine, Oliver und Thorsten, kam das allerdings zu spät. Sie schafften es „nur“ in den „Gegendruck“.

Michael Nückel   

Fußnoten


  1. Der Autor Michael Nückel arbeitete von 1985 bis 2008 als Redakteur für die Stadtausgabe der BNN.
  2. Gegendruck, Nr. 6, Jahrgang 4, Juni 1986. Auf Seite 1 ist die Erklärung der Besetzer, die mit „Sabine, Oliver, Thorsten“ unterschreiben, abgedruckt. Darin bedanken sie sich für die Unterstüzung auf dem Marktplatz, auf dem Leute radioaktiv verseuchtes Gemüse vor dem Rathaus abluden und Eltern mit Kleinkindern verstrahlten Sand aus Karlsruher Spielplätzen abkippten. Sie bitten außerdem um Spenden für den zu erwartenden Prozess wegen Hausfriedensbruchs, den Stadtamtspfarrer Karl Leiser anzeigen möchte. Auf die Anzeige wird nach Beschluss des Ältestenrates später verzichtet, die Kirchengemeinde übernimmt auch die Kosten für die Reparatur am Dach.
  3. BNN, Stadtausgabe von 23, Mai, 1986.
  4. Edwin Kraus erklärte in einem seiner Kommentare, dass beim Geschlechtsakt von Mann und Frau mehr Radioaktivität entstünde, als nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl über der Karlsruher Bevölkerung niederging. Zitiert nach Gegendruck, siehe oben.
  5. Das Stadtarchiv hat inzwischen zugesagt, das Versäumnis bei nächster Gelegenheit nachzuholen und die Bestzung des Stadtkirchendachs in die Chronik aufzunehmen.
  6. BNN, Stadtausgabe Nummer 277, 26. November 1968, Seite 11.
  7. Wilhelm Baur (1895 – 1973) war Eigentümer und Herausgeber der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN).
  8. Roland Lang: Der Hai in der Suppe oder das Glück des Philipp Ronge, Autorenedition bei C. Bertelsmann, München 1975.
  9. Das Kürzel „W K“ ist bis heute nicht zuzuordnen. Auch meine jüngste Anfrage bei den BNN erbrachte diesbezüglich keine Klarheit. Wie von ehemaligen BNN-Ressortleitern – unter anderem meiner Mutter Liselotte Nückel – übereinstimmend versichert wurde, handelte es sich dabei um einen Autor von außerhalb. Otto Haendle, damaliger Chef vom Dienst, beschreibt ihn in seinem BNN-Leitartikel vom 19. November 1968 als eine im Umgang mit Jugendlichen und in Sachen Erziehung erfahrene Persönlichkeit. Danach könnte es sich auch um einen Pädagogen, einen Schulleiter oder Professor der Pädagogischen Hochschule aus Karlsruhe gehandelt haben.
  10. Noch zu meiner Redakteurszeit wurde immer mal wieder von älteren Kolleginnen und Kollegen erzählt, dass die Demonstranten die Zeitung „ganz brav“ im Foyer der BNN kauften, um sie dann draußen anzuzünden.
  11. Pardon, die deutsche satirische Monatsschrift D 7020 E, 8. Jahrgang, Nummer 1, Januar 1969, Seite 47
  12. Der Autor gehörte zu den Mitbegründern des Gegendruck.
  13. Der Autor veröffentlichte unter dem Pseudonym „Michelangelo“ stadtpolitische Glossen und Satiren in der „Klappe auf“.

Artikel im Archiv (PDF, 46 kB)

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