Archiv für: "15 Jun 2012"
Ulrike Meinhof – 15. Juni 1972
(dradio.de, 15.06.2012, Oliver Tolmein/Ulrike Meinhof)
Die Frage ist: Wie kann ein isolierter Gefangener den Justizbehörden zu erkennen geben, angenommen, dass er es wollte, dass er sein Verhalten geändert hat? Wie? Wie kann er das in einer Situation, in der bereits jede, absolut jede Lebensäußerung unterbunden ist? Ihm bleibt, das heißt, dem Gefangenen in der Isolation bleibt, um zu signalisieren, dass sich sein Verhalten geändert hat, überhaupt nur eine Möglichkeit, und das ist der Verrat. Eine andere Möglichkeit, sein Verhalten zu ändern, hat der isolierte Gefangene nicht. Das heißt, es gibt in der Isolation exakt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie bringen einen Gefangenen zum Schweigen, das heißt, man stirbt daran, oder Sie bringen einen zum Reden. Und das ist das Geständnis und der Verrat. Das ist Folter, exakt Folter.Zu einer Verurteilung Ulrike Meinhofs kam es nicht – sie wurde ein Jahr nach Prozessbeginn am 9. Mai 1976 in ihrer Zelle tot aufgefunden.













